Facebook im Stall
"Boomland" auf der Rinderfarm!

Transparenz und Offenheit in der Landwirtschaft – gibt es das? Der Ruf dieser Branche ist ein anderer. Doch damit soll und muss jetzt Schluß sein sagen immer mehr, besonders jüngere, Landwirte. Und so kommt es immer häufiger vor, dass iPad, Facebook, Webcam und Co. auf dem Bauernhof Einzug halten. Vion Zucht- und Nutzvieh begrüßt diese Vorstöße, denn sie dienen der Vertrauensbildung beim Verbraucher.

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Werner Schwarz, der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, hat es vorgemacht. Er hat Kameras in seinem Sauenstall aufgehängt und die liefern alle 20 Sekunden neue Bilder auf die Website des Verbandes. „Bauern unter Beobachtung“ heißt passend dazu ein Leitfaden, den die Organisation herausgebracht hat und der den Landwirten helfen soll, sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen. Und der Kritik, auch der unsachlichen. „Und davon gibt es viel, sehr viel“, hat Autor Sönke Hauschild herausgefunden und aufgeschrieben. Man kann dort viel erfahren über die Arbeit der Medien, über die politische Einstellung deutscher Journalisten, aber auch darüber, wie damit umzugehen ist. „Verstecken ist vorbei“, sagt Hauschild. „Die Bauern müssen bereit sein zur Transparenz, zur Offenheit, zur Diskussion mit gesellschaftlichen Gruppen.“

Deshalb sind wir nun hier, etwa fünf Kilometer vor den Toren von Neumünster. Rechts und links des Wegesrands sattgrüne Weiden, dann eine schmale Hofeinfahrt, hinter der sich ein weiter, lang gestreckter Hofplatz öffnet. Alles sehr aufgeräumt, norddeutsch klar und nüchtern: links das Wohnhaus, geradeaus die Scheune, halbrechts der Melkbereich – hygienisch-klinisch separiert –, ganz rechts der offene Rinderstall, dahinter die Silos und der Gülletank.

Landwirt Carsten Dahmke pflegt einen kräftigen Händedruck, so wie es sich wohl für einen Bauern gehört, der Tag für Tag (und auch nachts) mehrere Hundert Kühe und Rinder zu bewirtschaften hat. Oder? Zweifel sind angebracht, denn dieser 41-jährige Landwirt hat ein iPad unter dem Arm, klappt es auf und wischt mit den eben noch fest zupackenden Fingern nahezu zärtlich über die gläserne Oberfläche. Ist das vielleicht doch nur ein Bürohengst?

„Jeder kann und soll kommen und schauen.“

Plötzlich fühlt man sich wie in Boomtown. Oder soll man besser Boomland oder Silicon Farm sagen? 500 Tiere – 300 Kühe, dazu Jungbullen in der Mast und sogar die wenige Tage alten Kälbchen – werden komplett durchleuchtet. Worüber die großen Industrieunternehmen noch nachdenken, ist hier bei Dahmke im Kuhstall längst umgesetzt – digital 4.0. Der junge Landwirt überlässt nichts dem Zufall, er will in Echtzeit genau wissen, wo was läuft und wo es Probleme gibt. Und wo es gut ist.

Futterration, Milchabgabe, Gewichtszunahme, Bewegung – nichts überlässt er dem Zufall, alles wird per Chip elektronisch registriert. So kann er kontrollieren, verändern, optimieren. Carsten Dahmke wirtschaftet erfolgreich, das sieht man seinem Hof an. Aber genügt ihm das? Es reicht ihm nicht, ökonomisch ganz vorn dabei zu sein. Auch Ökologie und Tierschutz haben für ihn eine enorme Wichtigkeit. Seine Tiere sind nicht nur digital erfasst und leistungsmäßig optimiert, sie leben und wachsen auch sehr tiergerecht in großzügigen Laufställen mit der Möglichkeit zum Weidegang auf. Die Schwarzbunten können selbst entscheiden, ob sie rausgehen wollen auf die Weide, ob sie lieber drinnen die Silage fressen oder ob sie im Schatten des Stalls ein Schläfchen machen.

Für Vion Zucht- und Nutzvieh Geschäftsführer Dr. Holger Looft ist genau das die Zukunft: „Wir beobachten die Öffnung der Betriebe nach außen mit großer Zufriedenheit. Denn wir alle sind nur so gut wie uns der Verbraucher am Ende einschätzt. Und das geht unserer Meinung nach am Besten mit Transparenz.“

Struktur und Management sind wichtig

Um diese Qualitäten zu züchten und zu mästen, bedarf es aber einer klaren Struktur im Betrieb. „Das Ganze ist ein Managementthema“, betont der Cheflandwirt in Kirch Mulsow. Da er auf dem Markt nicht das Sperma bekommt, das er braucht, setzt er vor allem auf Deckbullen aus seinem eigenen Betrieb und aus Skandinavien. „Die Kälber mäste ich dann selbst.“

Obwohl der 51-Jährige ziemlich genau über seine Tiere Bescheid weiß, „geht keine Kuh zur Schlachtung, wo der Tierarzt nicht reingefasst hat“. Eine trächtige Kuh an den Fleischbetrieb auszuliefern, wäre für ihn aus ethischen Gründen undenkbar; auch der finanzielle Verlust eines wertvollen (ungeborenen) Kälbchens hindert ihn, so nachlässig abzuliefern. Genauso entscheidend ist für den Bauern die schnelle Vermarktung. Ein zusätzlicher Grund, mit der Vion Zucht- und Nutzvieh zusammenzuarbeiten. „Wenn die Tiere morgens von mir geliefert werden, dann will ich mittags das Schlachtgewicht kennen“, fordert Hopp. „Meine Tiere sollen nicht noch irgendwo zwei Tage rumstehen.“

Vorbei das Versteckspiel hinter hohen Büschen und schweren Stalltüren.

„Wir haben einen so hohen Standard, das können wir jedem zeigen“, argumentiert der Bauer. Jede Kuh, jeder Bulle, jedes Kälbchen – alle haben ihr eigenes „Facebook“ um den Hals hängen. Verstecken spielen können die 500 Rinder bei Dahmke schon lange nicht mehr. Das iPad liefert alle Daten, für jeden sichtbar und erkennbar. Die negativen Schlagzeilen, wie Massentierhaltung, antibiotikaverseucht oder ausgepresst bis zum letzten