Viehtransporte ohne Stress
so macht man das heute!

Lebendviehtransporte von heute haben rein gar nichts mehr mit der Vergangenheit zu tun. Die Fahrzeugflotte der Vion Zucht- und Nutzvieh ist hochmodern und die Fahrer sind geschulte darin Stress für die Tiere zu vermeiden. Geht das überhaupt? „Ja, das geht“, sagte Gerrit Ellen.

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Der Mann mit dem rotblonden Bart braucht seine Freiheiten. „In einer Fabrik könnte ich nicht arbeiten.“ Auch wenn Gerrit Ellen als Lkw-Fahrer mehr Stunden in der Woche arbeiten muss als viele andere Arbeitnehmer, möchte er seinen Job nicht tauschen.

Seit fast 30 Jahren transportiert der Niedersachse aus dem Emsland Schweine. „Den Job kann man nur machen, wenn man Tiere mag“, sagt der 55-Jährige. Der Vater von drei Kindern und Halter eines Labradorhundes ist die Ruhe selbst, ob am Steuer oder beim Umgang mit den Vierbeinern.

An die unregelmäßigen Arbeitszeiten hat sich Gerrit Ellen längst gewöhnt. Mal beginnt eine Fahrt schon abends, mal um 2 Uhr in der Früh, mal – wie heute – erst um 6 Uhr morgens.

170 Mastschweine mit dem 40-Tonner durchs Emsland.

Allmählich bricht die Sonne durch den Frühnebel, der auf den Wiesen und Feldern liegt. Die Vion Zucht- und Nutzvieh GmbH in Geeste-Dalum hat Ellen den Auftrag erteilt, 170 Mastschweine in Meppen-Fullen bei einem Stammlieferanten abzuholen. Problemlos dockt der 40-Tonner an der Rampe von Bauer Wolfgang Beckmann an. Der Vion-Mann, ein Wikinger-Typ, streut zunächst seine Ladeflächen mit Holzmehl ein. Nun können die Schweine kommen. Bald führt eine breite Gasse von den Ställen bis zum Wagen hinauf.

Die Mastschweine, 175 Tage alt und 118 Kilo schwer, bleiben ruhig. Ellen reicht meist schon ein rotes Paddel und ein aufmunterndes „Husch, husch“, damit die Schlachttiere nach oben trotten. Nur gelegentlich muss er einem Schwein, das umkehren will, mit einem Kunststoffschild den Rückzug verwehren.

Nach einer Stunde sind die Tiere auf drei Etagen, jeweils in drei Buchten unterteilt, gut untergebracht. Die Aufbauten haben große Luftschlitze. Die Tiere verteilen sich auf 102 Quadratmeter. Panik könnte nicht entstehen.

Als der Zug nach 60 Kilometern Landstraße im Vion-Schlachthof Emstek ankommt, hat Ellen Glück. Er kann die Herde sehr bald abliefern. Folgsam verlässt der rosa Trupp das Auto. „Wir versuchen, jeden Stress zu vermeiden“, kommentiert Ellen das Abladen. „Das ist gut für die Tiere und damit auch für die Qualität unseres Fleisches.“ Tierschutz hat oberste Priorität. Anschließend fährt Gerrit Ellen zur Waschanlage des Schlachthofs und desinfiziert den Viehtransporter. Erst danach kann die nächste Fuhre starten.