Landfrau mit Leib und Seele
„KLAR, DASS MAN SICH ENGAGIERT“

Claudia Jürgens ist vieles: Bäuerin, Hausfrau, gelernte Bauingenieurin und Landfrau. Sie ist damit Teil einer starken und engagierten Gemeinschaft. Die 33.000 Landfrauen im Landesverband Schleswig-Holstein kommen aus allen Berufsgruppen, natürlich auch aus landwirtschaftlichen Betrieben. „Was macht die Landwirtschaft mit den Familien?“, das ist in Zeiten der Landflucht eine wichtige Frage, die auf der Tagesordnung steht. Daran knüpfen wirtschafts- und strukturpolitische Themen wie „die Entwicklung der ländlichen Räume“ an, die Claudia Jürgensen auf Bundesebene diskutiert. Für die Zukunft plädiert sie vehement dafür, dass endlich „für Lebensmittel das bezahlt wird, was sie kosten“. 

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Claudia Jürgensen ist die Freundlichkeit in Person. Das scheint bei der 45-jährigen Bauersfrau Gesetz zu sein. Seit 25 Jahren ist sie auf dem Hof, hat nach Tischlerlehre und Studium ihren großen Traum aufgegeben, hinaus in die Welt zu gehen. Dazwischengekommen sind ein Dorffest und der junge Landwirt Olaf Jürgensen, der Claudia erst vom Bleiben auf der Geest überzeugte, dann heiratete und auf den Hof holte. 

„Ich bin die Versorgerin auf dem Hof“, für ihren Mann und insgesamt fünf Mitarbeiter vom Auszubildenden bis zur Herdenmanagerin. Und sie ist für die Kälbchen zuständig. Der Nachwuchs wird in den ersten Wochen von ihr aufgezogen.

Das große Tagesgeschäft auf dem Betrieb überlässt Claudia Jürgensen gern ihrem Mann und dessen Partner Bent Jensen-Nissen. Die beiden Familien haben sich vor 18 Jahren zusammengetan und bewirtschaften jetzt gemeinsam in einer GbR den 300 Hektar großen Betrieb. Begonnen hatten die Jürgensen einst mit 40 Milchkühen, heute stehen 380 schwarzbunte Holsteiner in den großzügigen Offenställen und bringen eine durchschnittliche Leistung von 9.800 Litern pro Jahr. 

Ein Spitzenergebnis. Das lässt sich schon sehen, vor allem bei dem aktuellen Milchpreis von 40 Cent, die momentan beim Bauern ankommen. Claudia Jürgensen schmunzelt, wenn sie die Kennzahlen über ihren Betrieb am langen Küchentisch präsentiert. Aus der Tischlerin ist eine Bäuerin geworden, die Bescheid weiß. Sonst wäre sie wohl auch nicht bei den Landfrauen gelandet. Jedenfalls nicht in einer Führungsposition. „Die meisten Menschen glauben, wir seien die Frauenorganisation des Bauernverbandes, aber das ist nicht ganz richtig. Wir sind eine unabhängige und eigenständige Frauenorganisation.“ Richtig ist aber, dass der DBV die Landfrauen unterstützt und das Landfrauen-Präsidium zu drei Vierteln von Frauen mit landwirtschaftlichem Hintergrund besetzt ist.

Und was sind die Themen, die besprochen werden? „Wir sind die sozialpolitische Fraktion“, sagt Claudia Jürgensen. Ein Thema liegt ihr dabei ganz besonders am Herzen: Lebensmittel müssen das kosten was sie wert sind. Als bestes Beispiel führt sie den aktuellen Milch- und Butterpreis an: „Davon können die Bauern leben, da wird ihre Leistung echt bezahlt.“ Bei den schwankenden Milchpreisen ist es für einen Betrieb wie den der Jürgensens und Jensen-Nissens wichtig, auf zwei Säulen zu produzieren. Ihre Tiere gehen nach ca. 3,5 Laktationen zur Fleischvermarktung zu Vion in Bad Bramstedt. Die Rindfleischpreise sind im Vergleich zur Milch stabil. 

Das ehrenamtliche Engagement ist zeitaufwendig. Passt das denn überhaupt, kann sie aus dem laufenden Betrieb einfach mal für ein paar Tage aussteigen und in Berlin die große Politik diskutieren? „Ja, das geht, das ist hier mit allen so abgesprochen“, sagt die engagierte Landfrau. Außerdem würden das ja alle kennen von ihr. Wohl wahr: Claudia Jürgensen fühlte sich immer der Allgemeinheit verpflichtet und blickt auf viele Ämter und Berufungen zurück. Seit zwölf Jahren bei den Landfrauen „Mittlere Treene“ – dort schnell im Vorstand. Kirchengemeinderat und acht Jahre im Rat für die Freie Wählergemeinschaft Jübek.