Neue Preisfindung bei Schwein
Diskussion über Mehrwochenpreise

Der Schweinefleischmarkt ist in Bewegung. Alle Partner der Liefer- und Wertschöpfungskette sind gefragt, sich über eine neue Preisfindung Gedanken zu machen. Vions COO Pork Frans Stortelder geht voran und hat gefordert, dass die Preisfindung für Schlachtschweine vielfältiger werden müsse. In den Niederlanden legt Vion nun vor und für ab sofort ein neues System ein: Die Mäster haben die Möglichkeit, ihre Schlachtschweine über ein neues Mehrwochenpreissystem bei Vion zu vermarkten.

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Die Rahmenbedingung und Voraussetzung für dieses neue Modell sind:

  • Wer mitmachen will, muss für mindestens ein Jahr zwischen 10 und 50 % seiner Schweine über den Mehrwochenpreis liefern.

  • Zunächst gilt das Angebot nur für Betriebe mit geschlossenem System.

  • Der Vion-Langzeitpreis wird zunächst für je 13 Wochen festgelegt. Diese Festlegung knüpft an das saisonale Muster bei Schweinepreis und dem Ergebnis aus Schlachterlösen minus Futterkosten an. Rückblickend betrachtet gebe es zwischen beiden eine starke Korrelation, so eine Vion-Meldung.

  • Grundlage für die Festlegung des Mehrwochenpreises ist das Ergebnis aus Schlachterlösen minus Futterkosten in den vergangenen zwölf Jahren sowie eine Abschätzung der Futterkosten.

  • Beim Prognosemodell für die kommenden 13 Wochen wird ein Index genutzt, der die Futterpreisentwicklung der Terminmärkte für Weizen, Mais und Sojaschrot in Chicago und Paris schätzt.

Das Magazin agrarheute hat Experten zu Ihrer Meinung befragt.

Dr. Albert Hortmann-Scholten, Geschäftsführer der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften, VEZG, stellt in Frage, ob die Vion-Preisliefermodelle zu einer besseren Wertschöpfung für die Landwirtschaft führen. Die Marktverhältnisse in den Niederlanden und Deutschland seien sehr unterschiedlich, die Exportorientierung dort noch stärker. Es bleibe abzuwarten, ob die von Vion genannte Zusatzwertschöpfung bis 5 Euro tatsächlich auch bei den Mästern ankomme.

Für die ISN ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, dass die Schlachthöfe ihre Rohstoffversorgung absicherten. Sie findet es durchaus wünschenswert, dass das neue Vion-Konzept auch auf Deutschland ausgeweitet wird.

Andreas Neumann, Geschäftsführer der VzF GmbH Erfolg mit Schwein, Uelzen: „Unsere Erzeugergemeinschaft hat bis April vergangenen Jahres wöchentlich ca. 4.500 Schweine nach einem Mehrwochenpreissystem am Schlachthof Zeven angedient. Der Vion-Schlachthof wurde dann bekanntlich geschlossen. Ein Mehrwochenpreissystem wäre auch in Zukunft für unsere Mäster interessant, da der spekulative Aspekt der Vermarktung reduziert würde. Der Mäster kann sich auf seine Produktion und die Einhaltung der vorgegebenen Abrechnungsmasken konzentrieren. Beim VzF warten wir nur auf den Startschuss, dass entsprechende Modelle auch in Deutschland angeboten werden.“

Matthias Frieß, Vorsitzender der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften, VEZG, Creglingen: „Ich sehe in Deutschland nur eine begrenzte Akzeptanz für einen Mehrwochenpreis. Das zeigen ähnliche Modelle wie zum Beispiel bei der Westfleisch. Mein Gegenvorschlag für den deutschen Markt ist ein Kontraktmodell, bei dem die Schlachthöfe bestimmte Mengen kontraktieren. In ähnlichen Kontrakten mit dem Lebensmittelhandel ist der Schlachthof Kontraktnehmer, beim Schweinemäster wäre er Kontraktgeber. Beide Seiten hätten mehr Planungssicherheit, die Mäster könnten für die Kontraktmenge mit festen Preisen kalkulieren. Nebeneffekt wäre für mich, dass für beide Seiten Preisschwankungen nivelliert würden.“

Hermann Kruse, Vorsitzender des Vieh- und Fleischhandelsverbandes Niedersachsen, Syke: „Ich begrüße jede Initiative, die zu einer Beruhigung bei der Schlachtschweinepreisfindung führen könnte. Ich sehe ein Mehrwochenpreismodell aber eher kritisch. Prognosen deuten hierzulande auf rückläufige Schweineschlachtzahlen. Verstärkt wird dies durch Programme mit niedrigeren Besatzdichten.

Schlachthöfe könnten um ihre Auslastung fürchten. Modelle mit Mehrwochenpreisen sind für mich deshalb eine klare Maßnahme der Rohstoffsicherung. Am Ende zählt beim Mehrwochenpreis die aktuelle Notierung ebenso mit wie bei wöchentlichen Preisen. Und was ist, wenn es Hauspreise gibt, fließen die dann auch mit in die Mehrwochenpreise ein?“

Bernd Terhalle,Geschäftsführer der EZG für Qualitätsvieh Hümmling, Lorup: „Für mich ist klar, dass man in Deutschland von den hohen Sprüngen bei den Schlachtschweinepreisen wegkommen muss. Sie sind für beide Seiten problematisch, was sich jüngst wieder gezeigt hat. Von daher begrüße ich den Vorstoß von Vion in Richtung verschiedener Vermarktungsmodelle. Meine EZG würde diese gern mit Mästern testen. Anschließend können wir beurteilen, ob sich eine positive Bilanz ziehen lässt. Zu beachten ist für mich: Die Notierungen in Deutschland und Spanien liegen meist über EU-Schnitt. Wenn beim Mehrwochenpreis die Notierungen von Belgien, Dänemark und Holland miteinfließen, darf das Niveau hierzulande nicht abrutschen.“