Strategie
"Stabile Preisbildung ist absolut wichtig"

Frans Stortelder hat einen Plan. Der COO Pork im Vion Food Konzern möchte die Schweinemastbetriebe in Deutschland für eine verlässliche Preisfindung gewinnen. „Der Bauer muss und soll verstehen, dass gleichbleibende Erzeugerpreise über das Jahr hinweg ihm mehr nutzen als die Unsicherheit, die der Markt zurzeit bietet.“ Um sein Vorhaben erfolgreich umzusetzen, will der 56-Jährige einen gerade begonnenen Dialog mit der Landwirtschaft intensivieren.

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Stortelder erklärt das Problem sehr anschaulich anhand von drei verschobenen und übereinanderliegenden Parabeln. In den Schnittmengen finden sich die Problembereiche, die der Fleischmanager mithilfe der Geometrie offenlegt. Die klassische Mathematik lässt er dabei nicht außen vor, im Gegenteil. Stortelder setzt auf die Rechenkünste der Landwirte. „Wir verlieren beide, wenn sich das Spekulieren eines Teils der Bauern fortsetzt.“ Zwar könne er verstehen, dass der Erzeuger seine Schweine zwei Wochen länger mästet, wenn die Preise gerade niedrig sind und er hoffe, bei späterer Vermarktung höhere Erträge zu erzielen. „Das ist aber zu kurz gedacht.“

Die Fleischunternehmen seien weder eine Bank noch eine Lagergesellschaft. „Wir verlieren bei diesem System richtig Geld, nicht nur Vion, sondern alle Unternehmen der Branche!“ Welche Auswirkungen das auf das Fleischgeschäft hat, erklärte der Fleischmanager bei seinen ersten Treffen mit Landwirten in Norddeutschland. Beispiel Schinkenproduktion: Bei langfristigen Lieferverträgen sei genau festgelegt, welche Gewichtsklassen Vion zu liefern habe. Eine große Menge leichter Schinken sei eben in der Zeit nicht an die Kunden zu liefern, weil die Schweine zwei Wochen länger im Stall stünden. Wenn die Tiere dann später zur Schlachtung angeliefert würden, habe man dagegen einen Überhang an fetten Schinken, die Vion nicht oder nur schwer vermarkten könne. Die Folge sei doch klar. Die Einkaufspreise würden wieder drastisch sinken.

„Keiner verdient dabei.“

Dieses Auf und Ab an der Preisfront muss nach Stortelders Analyse unbedingt begradigt werden. „Wir haben ein Schweinefleischgeschäft“, sagt er. Die Auswirkungen von Preiserhöhungen rechnet er vor: Bei einem Einkaufspreis von plus sechs Cent werden die Hälften in der Vermarktung acht Cent teurer, grob zerlegt kostet das Schwein schon zwölf Cent mehr und in der Feinst-zerlegung steigt der Preis um bis zu 48 Cent pro Kilo

Und da bis auf Süddeutschland mit dem Export nach Italien kaum noch das Hälftengeschäft gefragt sei, brächten geringste Abweichungen bei den Einkaufspreisen das gesamte Ertragsmodell Schweinefleisch ins Wanken. Vor allem, da die Kunden aus dem LEH und der fleischverarbeitenden Industrie diese Preissprünge nicht mitmachten. „Das Problem bleibt beim Fleischunternehmen und in der Landwirtschaft. Wir müssen aus dieser Negativspirale herauskommen“, sagt Stortelder.

Um mehr Stabilität in den Schweinefleischmarkt zu bekommen, hält Vions Pork-Chef die Fokussierung auf die Weltmärkte für unerlässlich. Der Selbstversorgungsgrad in Europa liege bei 112 Prozent, in Vions Kernländern Holland und Deutschland sogar bei fast 250 Prozent bzw. 117 Prozent. „Der Export in Drittländer ist ganz wichtig, wir brauchen den Zugang zu allen globalen Märkten.“ Der Vorteil: Jeder Markt habe seine eigenen Produkte und Zuschnitte. Südkoreaner lieben Bäuche und Nacken, Japaner Bäuche, Lachse und Rückenspeck, in Australien wiederum mag man Mittelstücke und mageren Schinken, in Südafrika Bauchrippen, Schulter und Herz, in Spanien Schinken und in den USA bevorzugt man Bauchrippen und Bäuche. „Vion kann alles liefern. Wir haben Fleisch für den ganzen Weltmarkt.“

Die Alternative, alles in Europa zu vermarkten, funktioniere nicht mehr. „Aber unsere Produktion ist die beste der Welt. Das ist auch in den Exportländern bekannt, deshalb kaufen sie gern bei uns ein.“ Außerdem seien die Fortschritte und die Entwicklungen in Sachen Herkunft und Tierwohl auch international begehrt. In Japan oder Südkorea würden jetzt auch Nachweise für den Medikamenteneinsatz verlangt. Unsere Qualitäts- und Sicherheitsstandards werden immer öfter international nachgefragt – „und auch bezahlt“.

Deshalb sind für Stortelder Investitionen in den Tierschutz Investitionen in die Zukunft. „Wir müssen die Ställe anders einrichten, dar-auf müssen sich die Bauern einstellen. Die Tierwohlstandards sind gesetzt, dahinter können wir nicht mehr zurück“, ist er überzeugt. Anders als in Deutschland wird in den Niederlanden der gesamte Lebensmitteleinzelhandel ab Januar 2016 Schweinefleisch nur noch im „Beter Leven“-Standard anbieten.